Sonntag, 24. September 2017

54 Minuten


Aber jetzt ist Tyler hier. Mein Bruder. Mein Tyler.
Sein Lächeln straft die Pistole in seiner Hand Lügen, doch zugleich sind alle davon gebannt. Obwohl es tausend zu eins steht, sind wir machtlos. (S. 70)

WORUM GEHT´S?
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Es passiert nicht viel im verschlafenen Opportunity, Alabama. Wie immer hält die Direktorin in der Aula der Highschool ihre Begrüßungsrede zum neuen Schulhalbjahr. Es ist dieselbe Ansprache wie in jedem Schulhalbjahr. Währenddessen sind zwei Schüler in das Büro der Schulleitung geschlichen, um Akten zu lesen. Draußen auf dem Sportgelände trainieren fünf Schüler und ihr Coach auf der Laufbahn für die neue Leichtathletiksaison. Wie immer ist die Rede der Dirketorin exakt um zehn Uhr zu Ende. Aber heute ist alles anders.

Als Schüler und Lehrer die Aula verlassen wollen, kann man die Türen nicht mehr öffnen. Einer beginnt zu schießen.
Tyler greift seine Schule an und macht alle fertig, die ihm unrecht getan haben.
Aus der Sicht von vier Jugendlichen entfaltet sich der Amoklauf, bis die letzte Kugel verschossen ist. 

 Marieke Nijkamp | Mo Zuber | 336 Seiten | 14,99 € (PB) | FISCHER FJB

MEINE MEINUNG
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Seit ich das erste Mal von diesem Buch gehört habe, stand es auf meiner Wunschliste. Nun ist es seit ca. 20 Stunden in meinem Besitz und ich habe es heute Morgen ausgelesen. Das sollte doch ziemlich für sich sprechen, oder?


ein ernstes, aktuelles Thema spannend verpackt

Das Thema Amoklauf an Schulen wird wohl leider immer aktuell bleiben. Vor allem aus den USA, wo jeder Bürger eine Waffe besitzen darf, Kinder schon mit zum Schießstand genommen werden und der Umgang mit einer Waffe für viele zum Alltag gehört, kommen immer wieder schreckliche Nachrichten über Amokläufe an Schulen oder Universitäten. Auch in Deutschland gab es schon mehrere junge Menschen, die ihre Schule mit einer Waffe gestürmt und dabei Mitschülern oder Lehrern das Leben genommen haben. Warum tut jemand so etwas Schreckliches? Genau diese Frage hat mich dazu bewegt, mir dieses Buch zu kaufen.

Die Geschichte, die nur ca. 54 Minuten im Leben der Protagonisten ausmacht, wird aus vier verschiedenen Perspektiven erzählt: Claire, Tomás, Sylv und Autumn. Zwei von ihnen sind mit  Tyler, dem Schützen, in der Aula eingesperrt und die beiden anderen erleben das Geschehen von außen mit. In diesen 54 Minuten verändert sich alles für die vier und ich habe mit jedem von ihnen mitgefiebert, geweint und den Atem angehalten. Auch über Tyler erfährt man sehr viel und die Darstellung seines Charakters hat mir wirklich gut gefallen.

EMOTIONEN.

Dass einen eine Geschichte über einen Amoklauf, der eindeutig Tote fordert, nicht kalt lässt, war mir von Anfang an klar. Aber ich hätte nicht gedacht, dass mich dieses Buch so einnehmen wird. Ich konnte es einfach nicht aus der Hand legen. Die Ereignisse überschlagen sich, erdrücken einen, man erfährt etwas über die Vergangenheit der Charaktere, auch über die anderen Personen, die Tyler gezielt erschießt - man wird von der Autorin komplett abgeholt, mit einem Charakter vertraut gemacht und dann dazu gezwungen mitanzusehen wie er stirbt. Es war, als würde man selbst in dieser verschlossenen Aula sitzen.

Ich war während des Lesens sehr angspannt und froh über die Perspektivwechsel zu den Kids, die nicht in der Aula sind. Das ließ mir Zeit zum Durchatmen. Hörten die jedoch wieder Schüsse, hatte ich sofort Angst, wieder die Perspektive zu wechseln. Was war nun passiert? Wer musste eben sein Leben lassen? Ich war wirklich froh, als das Buch vorbei war und dennoch möchte ich so viel mehr wissen: Wie gehen die Überlebenden mit dieser Sache um? Was passiert mit den Menschen, die Tyler nahestanden? Es bleibt so viel offen, aber es passt zu der Geschichte, der wir eben nur 54 Minunten beiwohnen durften.



Die Thematik von 54 Minuten ist leider sehr aktuell und umso öfter man in den Nachrichten von Amokläufen hört, desto mehr fragt man sich Warum tut ein Mensch so etwas? Von dieser Frage angetrieben, habe ich mir das Buch gekauft und danach sofort verschlungen. Die Darstellung des Schützen und der anderen handelnden Personen hat mir sehr gut gefallen. Es gibt nicht immer nur Schwarz und Weiß, was diese Geschichte sehr gut bewiesen hat. Ich bin wirklich beeindruckt und davon überzeugt, dass dieses Buch mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
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Weitere Rezensionen:
Bücherzelt
Buchhaim
Lena liest

Kommentare:

  1. Hallo Ellen

    Ja, das Thema Amoklauf ist leider sehr aktuell. Mich hat das Thema vor etwa 3 Jahren bereits beschäftigt, da wir uns in der Schule eine Dokumentation über den Amoklauf an der Columbine Highschool angesehen haben. Ich muss gestehen, schon alleine beim Durchlesen deiner Rezi hatte ich ein mulmiges Gefühl und musste an diese Doku zurückdenken. Klar gibt es viel aktuellere Amokläufe und trotzdem habe ich immer diese Bilder der Highschool im Kopf, wenn ich das Wort "Amoklauf" höre/lese.
    Ich habe vorher noch nie von diesem Buch gehört, werde es mir aber merken, falls ich mich wieder mal mit diesem Thema beschäftigen möchte.
    Übrigens gefällt mir dein neuer Blog, auch wenn es nicht Absicht war! (;

    Liebste Grüsse
    Tina

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    1. Hi Tina :)

      Wenn ich das Wort 'Amoklauf' höre denke ich immer an Winnenden. Es gab zwar schon davor Amokläufe in Deutschland, aber als es in Winnenden passierte, war ich gerade in der 9. Klasse und die damaligen Opfer ca. in meinem Alter. Das hat mich damals unglaublich mitgenommen, weshalb es mir wohl so im Kopf geblieben ist.

      Man sollte sich bei diesem Buch wirklich bewusst sein, dass es einen mitnehmen kann, weil es einfach schonungslos ist.


      Danke! :)

      Liebste Grüße
      Ellen

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